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Zur besten Sendezeit, an einem Dienstag um
20 Uhr, sollte ich ein weiteres Kapitel grandioser
niederländischer Vereinsnamen öffnen. Etwas mehr als zwei Wochen
nach meinem Besuch bei „Uitspanning Na Arbeid“ (Erholung nach
der Arbeit) nahe Eindhoven hieß mein heutiges Ziel „Recht Op Het
Doel Af“ (Geradewegs auf das Ziel zu). Das klang schon etwas
ambitionierter und zeigte sich bei ROHDA Raalte auch in der
Tabelle. Der Club aus der Gemeinde inmitten des Städte-Dreiecks
Zwolle, Deventer und Almelo führte vor der Partie gegen den SV
Urk die Derde Divisie A klar an und wird aller Voraussicht nach
im kommenden Sommer in die Tweede Divisie aufsteigen. Somit war
es sicherlich nicht verkehrt, schon früh für die kommende
Spielzeit und die dann vielleicht bereits früh komplettierte
Liga vorzusorgen. Bis dahin führte mich Google Maps jedoch durch
den Regen, die Dunkelheit und über niederländische Landstraßen
zum Ziel. Raalte ist einer der wenigen Orte in der mit einem
dichten Autobahnnetz durchzogenen Niederlande, den man nur über
mehrere Kilometer Über-Land-Fahrt erreichen kann.
Der Aufwand sollte sich aber lohnen. Schon
durch die zuvor angesehenen Bilder war ich auf den Sportpark
Tijenraan sehr gespannt. Ein Löwengang führte die per Auto bzw.
zu Fuß angereisten Zuschauer zur Tageskasse. Auf dem Gelände
angekommen fiel einem sofort das moderne Vereinsheim ins Auge.
Die Ausstattung war vom Feinsten und lässt sicherlich manchen
VIP-Bereich im deutschen Profi-Fußball alt aussehen. Der Prunk
nutzt jedoch wenig, wenn die Küche nicht geöffnet ist und
lediglich die Wärme zum Verweilen einlädt. Nun bin ich nicht
wegen vermeintlicher Gemütlichkeit 150 Kilometer gefahren und
wagte mich in die Kälte und den leichten Regen. Auch der
Hauptplatz des sieben Plätze umfassenden Sportparks wusste zu
überzeugen. Eine sich über die komplette Länge der Gerade
erstreckende Tribüne findet man im niederländischen
Amateurfußball nicht häufig. Zudem war ich dankbar über die
Möglichkeit, mich ohne großes Gedränge auf eben jener Tribüne
vor Wind und Wetter schützen zu können.
Dabei hatte ich mich scheinbar bei den
auswärtigen Anhängern niedergelassen. Diese hatten sogar eigene
Stewards in entsprechenden Warnwesten dabei. Etwas drüber, wenn
man bedenkt, dass der Altersschnitt am Platz wohl irgendwo rund
um das 50. Lebensjahr lag. Viel gab es im ersten Durchgang auch
nicht zu sehen, das besondere Emotionen hätte hochkochen lassen
können. Lediglich der Schiedsrichter nahm sich etwas zu wichtig
und schaffte es zudem den Ball öfter zu berühren als so mancher
Feldspieler. Dafür schepperte es dann im zweiten Durchgang früh.
Ein Kopfball nach einer Ecke (47.) sowie ein dankbares Geschenk
der Gäste (49.) besorgten den Hausherren und Favoriten eine
komfortable Führung. Was in der ersten Halbzeit nicht
funktionierte, fluppte also nach der Pause. Mit dem Vorsprung im
Rücken wurden die rot-gelben Gastgeber jedoch etwas fahrlässig,
ließen in der 64. Minute den Anschlusstreffer zu und konnten
erste in der Nachspielzeit das Sicherheit bringende 3:1
markieren. Durchgefroren war ich froh, als der letztendlich doch
noch recht lebendige Kick gegen 22 Uhr ein Ende fand und ich
wieder Richtung Duisburg aufbrach.
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