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Für dieses frühlingshafte Wochenende im
März bestimmte nicht vordergründig der Fußball die
Tourenplanung. Chrissi hatte schon frühzeitig Tickets für Kool
Savas‘ Jubiläumstour geordert, mit der er Halt in Hamburg machen
sollte. Musikalisch eine Reise in unsere Jugend, in der wir die
Songs des King of Rap rauf und runter hörten. Natürlich schaute
ich, wie ich den Trip mit ein paar Fußballspielen im hohen
Norden füttern konnte. Für den Anreisetag Sonnabend fand ich um
15 Uhr eine Partie in der Oberliga der Freie und Hansestadt. In
die Stadt selbst ging es dafür nicht und stattdessen steuerte
ich die maximal ländliche Kulturlandschaft Vierlande im Südosten
Hamburgs an. Einerseits war der Besuch beim dort heimischen SV
Curslack-Neuengamme aufgrund der schicken Anlage sehr
verlockend, andererseits wird der SVCN in der kommenden Saison
kein Oberligist mehr sein. Auch und vor allem durch die
wahrscheinlichen zwei Hamburger Absteiger aus der Regionalliga,
ist der Club vom Land mit seinen derzeit sieben Punkten gefühlte
Lichtjahre vom rettenden Ufer entfernt.
Trotzdem waren die Ehrenamtlichen auf der
Sportanlage Gramkowweg im Schatten der örtlichen Grundschule und
am Ufer der Dove-Elbe äußerst freundlich und sorgten im
Zusammenspiel mit der Frühlingssonne für Wohlfühlatmosphäre. Der
SVCN konnte bei all den sportlichen Problemen immerhin auf sein
schmuckes kleines Stadion stolz sein. Dieses wurde bereits bei
meiner Ankunft, 45 Minuten vor dem geplanten Anpfiff, bespielt.
Hektisch versicherte ich mich noch im Auto, ob ich mich nicht
bei der Anstoßzeit vertan hatte. Das war nicht der Fall und es
stellte sich heraus, dass es die Zweitvertretung war, die sich
auf Kreisebene mit der Reserve aus Dassendorf duellierte. Die
Oberliga-Elf startete planmäßig wenig später in die Partie gegen
die abstiegsgefährdete Truppe von Türkiye Wilhelmsburg. Ich
hatte mich auf der Gegengerade neben der Bank der Hausherren mit
gutem Blick auf die stattliche Tribüne positioniert. Dabei
sorgte der familiäre Umgang vor Ort dafür, dass mich etliche
Spieler und Teile des Staffs zu meinen Stehnachbarn zählten und
per Handschlag begrüßten.
Nun war ich also irgendwie ein Teil des
SVCN und freute mich mit dem Team über den doch überraschend
soliden Verlauf der ersten Halbzeit. Nachdem man die Partie vor
einer Woche mit 0:7 verloren hatte, war der 1:2-Pausenstand
sicherlich eine Steigerung. Bis zum zwischenzeitlichen und sehr
sehenswerten per Direktabnahme erzielten 0:1-Rückstand (15.)
waren die Hausherren sogar das engagiertere Team. Das 1:1 kam
nach einem Freistoß, den Curslacks Schmidt per Nachschuss
verwerten konnte. Mehr als ärgerlich das 1:2, dass sich Türkiyes
Acheampong mit einem flotten Dribbling übers halbe Spielfeld
durchaus verdient hatte. Auch im zweiten Durchgang blieb die
Partie zwar schnell, spannend und intensiv, aber ebenso
fehlerbehaftet und ohne wirkliche Struktur. Dazu kam eine
fragwürdige Leistung der unsicheren Schiedsrichterassistenten,
die Abseitsstellungen eher würfelten als fundiert bewerteten und
die beiden Trainer in den Wahnsinn trieben. Am schlussendlichen
1:4-Endstand war jedoch niemand anderes Schuld als die Heimelf
selbst, die sich insbesondere in der Defensive selten auf
Oberliga-Niveau präsentierte.
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