| |
Alle Nase lang kommen die Verbände mit
neuen, mehr oder weniger tollen, Ideen um die Ecke. Für die
gerade erst gestartete Spielzeit 2026/27 bedeutete das, dass
diese bereits Mitte September von einer dreiwöchigen
Länderspielpause unterbrochen werden sollte. Immerhin kann man
in der Zeit ohne Profi-Fußball seinen Fokus auf die Amateure
richten. Alex, Lynn und ich verbrachten das erste Wochenende der
Zwangspause in meiner brandenburgischen Heimat und somit in den
Jagdgründen der Regionalliga Nordost. Es war wieder an der Zeit,
meine Regionalliga-Mission voranzutreiben und eines der letzten
beiden fehlenden Puzzleteile in der derzeit attraktivsten
Viertliga-Staffel zu sammeln. Im Nordosten bleiben die
vermeintlichen Aufsteiger zwar regelmäßig aufgrund der
katastrophalen Aufstiegsspiel-Regelung kleben und doch ziehen
die Spiele in den neuen Bundesländern (und Westberlin) im
Quervergleich mit Abstand die meisten Zuschauer an. Bei der von
mir für diesen sonnigen Samstag ausgewählten Partie, waren
diesbezüglich jedoch keine Rekorde zu erwarten. Gemeinsam mit
Mariano steuerte ich am frühen Nachmittag das Duell zwischen dem
Liga-Neuling RSV Eintracht und dem ambitionierten Chemnitzer FC
an. Immerhin erhofften wir uns vom Gast aus Sachsen einen heißen
Tanz auf den Rängen und auf dem Rasen.
Die Hausherren aus Stahnsdorf verpassten
es, ihre Anlage an der Heinrich-Zille-Straße pünktlich in einen
regionalligatauglichen Zustand zu versetzen. So blieb nur die
Möglichkeit des Exils, das man beim Ligakonkurrenten BFC
Preussen in Berlin-Lankwitz fand. Als wir das Preussenstadion
enterten, war der Gästeblock bereits gut gefüllt. Der
Heimbereich umfasste die spärliche Haupttribüne mit
Stehtraversen und einigen Sitzbänken sowie einen temporären
Sitzplatzbereich mit einem Zeltdach auf Höhe der Eckfahne. Die
Kurven und die Gegengerade waren leider nicht zugänglich. So
stand und saß das Heimpublikum zumindest recht kompakt in der
Nachmittagssonne. Während wir mit einem frischen Bier bewaffnet
den ersten Minuten auf dem Rasen folgten, waren unsere Ohren
etwas verdutzt. Der von uns erwartete ordentliche Support der
Gäste entpuppte sich als ein himmelblauer Knabenchor, der nichts
Erwähnenswertes in den Berliner Himmel singen Geschweige denn
schmettern konnte. Ja, die Kurven sind kein
Unterhaltungsprogramm für den einfachen Zuschauer und trotzdem
sollte vom Mob eines ostdeutschen Traditionsclubs einfach mehr
kommen.
Selbst bei den drei Chemnitzer Toren, die
innerhalb von neun Minuten (13. bis 22.) fielen, konnte man
keinen ernsthaften Jubel vernehmen. Pflichtaufgabe hin oder her,
der CFC ist der derzeit stärkste Verfolger von Spitzenreiter
Erfurt und sollte dieses Momentum auch im Block ausleben. Was
solls, Mariano und ich erfreuten uns an etlichen abzuarbeitenden
Gesprächsthemen, dem guten Wetter und dem immerhin gefälligen
Spiel. Da die Partie nach einem Eckstoß, einer schönen
Kombination und einer passgenauen Flanke von der Grundlinie früh
entschieden war, schalteten die Gäste spätestens mit dem
Wiederanpfiff in den Verwaltungs-Modus. Im zweiten Durchgang gab
es immerhin einen weiteren CFC-Treffer, den RSV-Keeper Löffler
mit einem fatalen Fehlpass mustergültig einleitete (82.).
Während Mariano mit dem Chemnitzer Sieg und somit dem Erfolg
eines direkten RWE-Konkurrenten haderte, erfreute ich mich an
vier Treffern und einem Haken hinter einem weiteren Regionalliga
Ground. So verbleiben je ein fehlendes Stadion im Nordosten
(Chemnitz!), Norden und im Südwesten sowie fünf Lücken in der
Bayern-Staffel.
|
|