| |
Bei meinem regelmäßigen Blick in die
Spielpläne der für mich relevanten Spielklassen, habe ich mich
am vergangenen Wochenende geärgert. Tatsächlich war mir eine
englische Woche in Belgiens höchsten Amateur-Ligen
durchgerutscht. Immerhin gab es auch in der Folgewoche eine
Mittwochs-Partie, die ich mir sogleich im Kalender notierte.
Zwischen etlichen dienstlichen Terminen prangte dort nun der
Eintrag „20:00 SL16 FC vs. Mons“. Hinter der recht kryptischen
Abkürzung verbarg sich ein Trip ins recht Nahe Lüttich, den ich
im Anschluss an meinen Feierabend ab Düsseldorf antrat. Somit
verbrachte ich den wohl letzten sommerlichen Nachmittag auf der
Autobahn und fuhr beim Grenzübertritt nach Belgien in die
bereits zuvor angekündigte Regenfront. Nachdem ich mich entlang
der Maas durch Lüttich gekämpft hatte, erreichte ich zum
Einbruch der Dunkelheit den Stadtteil Angler und den
Nachwuchs-Campus des Royal Standard Club de Liege. Dieser grenzt
an eine große Veranstaltungshalle und einen der höchsten
Sendemasten des Landes. Im Schatten dieser Bauten wirkte das
Nachwuchs-Stadion des zehnfachen belgischen Meisters dann recht
bescheiden.
Alle Zuschauenden nehmen hier auf einer
großzügig überdachten Tribüne mit gut eintausend Sitzplätzen
Platz. Die drei verbleibenden Spielfeldseiten sind nicht
zugänglich. Stattdessen begrenzen hohe Fangzäune den Platz und
trennen das Gelände vom benachbarten Waldgebiet. Dementsprechend
kurz gestaltete sich meine Erkundungs- und Foto-Runde. Während
ich auf den Anpfiff wartete und die Akteure sich im teils
starken Regen erwärmten, füllte sich die Tribüne ganz gut. Auch
einige Fans aus dem eineinhalb Stunden entfernten Mons
begleiteten ihr Team in den Osten des Landes. Immerhin mischt
der Gast im Klassement der höchsten Liga der frankophonen Klubs
recht weit oben mit, während der Blick des Standard-Nachwuchs
wohl eher nach unten geht. Dementsprechend war ich nicht
überrascht, dass die ersten nennenswerten Bemühungen das Spiel
an sich zu ziehen, eher auf Seiten des RAEC Mons zu sehen waren.
Im Falle der Gäste, gingen mit dem eigenen offensiven
Engagement, jedoch auch Lücken in der Defensive einher.
Nach weniger als zehn gespielten Minuten
konnten die Hausherren somit erstmals kontern. Auch wenn der
ruckartige Angriff wenig strukturiert wirkte, hatte er ein
Foulspiel im Strafraum und folgerichtig einen Strafstoß zur
Folge. Diesen verwandelte der abgestellte Standard-Profi Zeqiri
frech per Panenka. Zeqiri dominierte die wenigen lichten Momente
im Offensivspiel der Heimelf und kam in der 18. Minute erneut
mit einem Heber - dieses Mal aus dem Spiel heraus - zum Erfolg.
Bis hierhin war es ein perfekter Abend für Standard und seinen
Schweizer Stürmer. Mit der Zeit konnten jedoch auch die Gäste
die Früchte ihrer Bemühungen ernten. Insgesamt wirkte deren
Zusammenspiel weiterhin flüssiger und zielgerichteter und führte
folgerichtig ebenfalls zu zwei Treffern (29. und 35.). Als die
Partie mit dem Ausgleich zu kippen drohte, mischte der
Torschütze zum 2:1-Anschlusstreffer und Monser Kapitän Brogno
eine neue Karte ins Deck. In einem völlig vogelfreien Moment zog
er seinem Gegenspieler im Zweikampf an der lockigen Haarpracht
und flog kurz vor der Pause mit einer roten Karte vom Platz. In
einem nun immer ruppiger werdenden Spiel, behielt abermals
Zeqiri den kühlen Kopf und nickte nach der Pause einen Freistoß
souverän und recht unbedrängt zum 3:2 ins Eck. Dabei blieb es
bis zum Abpfiff. Eine intensiv geführte Partie, die einen klaren
Matchwinner und eine dicke Überraschung hervorbrachte.
|
|