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Das erste Mai-Wochenende wurde am Freitag
mit dem Tag der Arbeit eingeläutet. Für jeden S04-Fan war der
Maifeiertag der Aufgalopp in das, was am Samstag wohl kommen
würde. Der S04 benötigte im Top-Spiel gegen Düsseldorf einen
Sieg, um den mittlerweile sicher geglaubten Aufstieg zu
besiegeln. Rund um dieses emotionale Ereignis, das drei
größtenteils dunkle Zweitligajahre endlich beenden sollte,
weilte ich jedoch nicht in Schlagdistanz zur Arena. Die
Hochzeitsfeier meiner Schwester fand zeitgleich mit der großen
Party auf Schalke in der mehrere hundert Kilometer entfernten
Barnimer Provinz statt. Eine unglückliche Terminkollision, die
vor etlichen Monaten natürlich noch nicht vorhersehbar war. So
drehten sich meine Planungen am 1. Mai also nicht um den
anstehenden Triumph FC Schalke, sondern um die Ankunft meiner
Cousins, die aus Boston zur Hochzeitsfeier anreisten. Mein
Auftrag und mein Ziel war es, die Jungs mittags vom Flughafen in
Schönefeld abzuholen und möglichst reibungslos bis zum Abend zu
beschäftigen. Während an der Location die ersten Gäste für die
Party am Folgetag eintrafen und die letzten Vorbereitungen
liefen, nahm ich Nolan und Ethan pünktlich in Empfang.
Der zeitliche Faktor spielte eine
wichtigere Rolle, da ich den Nachmittag bereit vage durchgeplant
hatte. Und natürlich beinhaltete mein Programm vordergründig den
Besuch eines Fußballspiels. Über die Stadtautobahn(en) ging es
für uns schnellstmöglich in den Berliner Westen nach Wilmersdorf
oder – nimmt man es ganz genau – in den angrenzenden Ortsteil
Schmargendorf. Hier bespielt der frühere Bundesligist Tennis
Borussia als Exilant das Stadion Wilmersdorf. Kurz vor unserer
Ankunft versüßte uns ein Treffen mit der berühmt berüchtigten
Berliner Polizei den Tag. Am gefürchteten Maifeiertag hatten die
Cops anscheinend genug Muße und Zeit, in einer 30er-Zone für
Recht und Ordnung zu sorgen. 50 Euro ärmer und mit fünf Minuten
mehr Verzögerung parkten wir das Auto und bestritten die letzten
Meter zum Ground zu Fuß. Dabei erlebten wir trotz 25 Minuten
Verspätung zumindest noch akustisch den Anpfiff mit. Auf dem
Rasen waren die Football-Markierungen noch so präsent, dass die
Referees vor allem rund um den Strafraum Probleme hatten, die
für heute relevanten Linien für den Fußballsport zu erkennen.
Fleißige Balljungen wuschen die betroffenen Markierungen aus dem
Rasen und verhinderten eine im Raum stehende Absage der Partie.
Eine weitere Posse in einer schier endlosen
Odyssee ums Stadion der Tennis Borussia. Der Traditionsclub darf
sein seit jeher angestammtes Heim Mommsenstadion derzeit unter
fadenscheinigen Begründungen des Bezirks nicht bespielen. So
pilgerten an diesem Nachmittag gut 700 Zuschauer ins Stadion
Wilmersdorf, wo mit TeBe und Optik Rathenow zwei Klubs
aufeinandertrafen, die jeden Punkt im Abstiegskampf bitter
benötigten. Zwischen den munteren Gesprächen mit den Jungs und
den bei bestem Sommerwetter immer wieder notwendigen Gang zum
Getränkestand, nahm ich die wegweisende Partie nur bedingt wahr.
Was ich sah, war viel Kampf, in einem Spiel, das von der
vorherrschenden Anspannung überlagert war. Die Hausherren
konterten die Führung der Kahlisch-Elf (57.) nach drei Minuten
mit einem schönen Tor aus 20 Metern. Die Punkteteilung im Keller
half den Gästen aus dem Havelland dabei mehr als den etwas
schlechter dastehenden West-Berlinern. Ich denke die Gäste aus
den Staaten hatten ihren Spaß an Sommer, Sonne und Support und
auch ich freute mich über ehrlichen Fußball im Schatten des
anstehenden Schalker Aufstiegsspiels.
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