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Am Sonntag, zwei Tage nach dem Besuch bei
TeBe, war die deutsche oder zumindest die königsblaue
Fußballwelt eine etwas andere. Mit dem FC Schalke war am
Vorabend einer der größten und der stimmungsvollste Klub des
Landes in die Bundesliga zurückgekehrt. Statt der Emotionen vor
Ort gab es für mich nach der Hochzeitsfeier die Retrospektive
mit Hilfe etlicher stimmungsvoller Bilder und Videos in meinem
Instagram-Feed. Auch heute gehörten der Tag und somit auch die
Ablenkung mir und den Jungs aus Boston. Ich sackte Ethan zum
gemeinsamen Katerfrühstück ein, das Nolan nach einem guten
Auftritt am Glas (irgendwie mit Ansage) verpasste. Mit Ach und
Krach gelang ihm später ein pünktliches Auschecken aus dem
Hotel. Nachdem wir dann auch Nolan im Auto hatten, unterschied
sich meine Planung nicht wesentlich vom Programm nach ihrer
Ankunft am Samstag. Bei Temperaturen nahe der 30-Grad-Marke,
konnte ich das von mir ins Auge gefasste Fußballspiel gut als
Alternative zu einer ausgiebigen Sightseeing-Tour verkaufen. Nun
war es an mir, uns so flott wie möglich aus dem Barnim ins
thüringische Meuselwitz zu bringen.
Da Nolan, wie bereits erwähnt, das
Frühstück verpasst hatte, stoppten uns zuerst ein Halt bei
McDonalds und später diverse Baustellen auf der A9. Trotzdem
erreichten wir die Heimat des Regionalligisten im Thüringer
Norden mit einer nur leichten Verspätung. Zu dritt ging es vom
Parkplatz quer durch ein Feld zum Stadion Glaserkuppe, das fürs
heutige Duell mit Chemie Leipzig zumindest im Sitzplatzbereich
bereits ausverkauft war. Immerhin ging es auch hier für beide
Teams ums nackte Überleben oder etwas sachlicher formuliert, um
den Klassenerhalt in der Regionalliga Nordost. Nachdem mein
erster Blick der prall gefüllten BSG-Kurve galt, wanderte ein
zweiter Blick auf die Anzeigetafel. Wir hatten bereits einen
Treffer verpasst. Der Gast ging scheinbar früh in Führung.
Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte ich mein Ziel erreicht und
meine Cousins staunten mit offenen Mündern über den stark
aufgelegten Gästemob, der in der prallen Sonne singend und
springend sein Team unterstützte. Das 2:0 fiel nach einer Ecke
direkt vor unserer Nase (24.).
Nachdem wir uns am Wurststand verpflegt
hatten, dürsteten meine Begleiter nach Wasser. Da beide mit doch
recht unterschiedlichem Outcome am Vorabend an der Bar zugelangt
hatten, konnte ich dieses Bedürfnis gut verstehen. Während Nolan
im Block blieb, stellten sich Ethan und ich in eine der beiden
schier endlosen Schlangen an einem der zwei Getränkestände. Ich
werde es nie verstehen, wie man es nicht gebacken bekommen kann,
an einem heißen Tag bei einem Topspiel – für das man auch den
entsprechenden Zuschlag erhoben hat – für ausreichend Wasser,
Bier und Brause zu sorgen. So verpassten wir auf unserer Mission
das 3:0 per Elfmeter kurz vor der Pause, verbrachten eben jene
ebenfalls in der Schlange und mussten uns auch beim 4:0 (51.)
mit dem Blick auf den Jubel der überall im Stadion verteilten
Chemiker „begnügen“. Irgendwann fanden wir vollgepackt mit
Getränken den Weg zurück zu Nolan und einer Partie, die dermaßen
entschieden war, dass die Akteure auf dem Rasen nur noch das
Nötigste ablieferten. Auch wenn ich mich nicht daran erinnern
kann, ein Spiel nahezu komplett in einer Schlange vorm Bierstand
verbracht zu haben, war es trotzdem ein gelungener Trip. Zum
Abschluss vor Ort beobachteten wir die Feierlichkeiten der
glücklichen Gäste und klatschten mit den niedergeschlagenen
ZFC-Akteuren ab. Dass Chemies Ratifo alle vier Treffer erzielte,
lasen wir erst im Nachgang. Irre.
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