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Mainz. Kaum eine Stadt und kaum ein Verein
triggern mich so sehr. Da ist diese bedeutungslose und irgendwie
auch überflüssige selbsternannte Karnevalshochburg mit
Weinfetisch am Rhein. Und da wäre auch noch ihr Fußballverein,
der noch nie etwas Gutes hervorbrachte. Klopp, Tuchel und
natürlich auch Heidel. Mir wird übel. Der FSV Mainz 05 bildet
zudem gemeinsam mit dem FC Augsburg ein Duo, das es seit Jahren
schafft in der Bundesliga zu existieren. Ohne, dass jemand auch
nur eine Träne verdrücken würde, sollte es für Klub, Fans und
Stadion endlich eine oder mehrere Etagen nach unten gehen. Doch
stattdessen spielen beide Vereine alle Nase lang europäisch. In
dieser Saison muss sich der S04 wieder mit ihnen messen. Bei
aller Abneigung muss man zumindest sportlich irgendwie den Hut
ziehen und seine Lehren daraus ziehen, was beispielsweise Mainz
05 besser macht als andere, größere und traditionsreichere
Clubs, die seit Jahren nicht wirklich Fuß fassen können. Für
mich bleiben die Meenzer trotzdem eine Mannschaft, die es zu
schlagen gilt.
Rein sportlich legte ich vor. Da Alex mich
nicht begleiten konnte, wählte ich auf mich allein gestellt die
Anreise per Rad. Nach den ersten Kilometern mit ständigem Regen
als Begleiter, bereute ich diese Wahl bereits. Als ich meinen
Drahtesel vor dem Sport-Paradies abstellte, waren die Strapazen
durchs nasskalte Wetter und die teils schwer passierbaren Wege
an Emscher und Kanal jedoch vergessen. In der Kurve angekommen,
folgten wenig später Kirsten, Andre und Flo. Wir waren gespannt,
was Schalke nach zwei torlosen Remis daheim und der jüngsten
ernüchternden 1:2-Niederlage in Überzahl in Freiburg zeigen
würde. Die Anfangsphase verschlief man komplett und hatte Glück,
dass Sheraldo Becker zweimal frei vor Karius an diesem
scheiterte. Das konnte lustig werden. Auch wenn sich Königsblau
fing, rannte man von Beginn an größtenteils hinterher. Die Gäste
waren geordneter, präsenter und in ihrem Spiel deutlich reifer
und zielstrebiger. Diese Überlegenheit mündete auf halber
Strecke des ersten Durchgangs in der Mainzer Führung durch
Tietz. Bis zur Pause hatte Schalke nicht einmal ernsthaft aufs
Tor geschossen. In diesem stand zu allem Überfluss unser
„Abstiegsheld“ Schwolow.
Die Mainzer Karnevalsprinzen im Gästeblock
läuteten den zweiten Durchgang mit einer ansehnlichen Choreo ein
und vernebelten dabei die Sicht in der Arena. Viel zu verpassen
gab es weiterhin nicht. Immerhin gefiel mir unser eigener
Auftritt auf den Rängen mit dem Rücken zur Wand deutlich besser
als noch gegen Elversberg. Auch wenn wenig klappte, konnte man
der Mannschaft einen gewissen Einsatz nicht absprechen. Nach den
ersten Wechseln, bei denen unter anderem der blasse Dzeko durch
Hwang ersetzt wurde, ging etwas mehr für die Heimelf. Zwanzig
Minuten vor dem Abpfiff begann tatsächlich so etwas wie eine
Schlussoffensive mit vereinzelten Chancen. Die Arena war bereit
für den Ausgleich und hätte das Remis an diesem
Samstagnachmittag sicherlich auch verdient gehabt. Leider wurde
es nie zwingend genug und so kommt man denkbar schlecht mit zwei
knappen Niederlagen aus der Länderspielpause und in den Herbst.
Es ist eine Floskel und trotzdem wahr, wenn ich sage, dass man
nun das Ruder rumreißen muss. Eine Negativspirale darf man sich
als Aufsteiger nicht erlauben.
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