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Sportlust gegen De Treffers. Eine Paarung
die ein wenig nach Fußball-Comic klingt. Tatsächlich war hier
allerdings kein einfallsreicher Autor, sondern der
niederländische Pokal am Werk. Die Auslosung zur 2. Runde - oder
auch dem 16tel-Finale - bescherte dem KNVB-Beker genau dieses
wohlklingende Duell zweier Amateurklubs. Im Jahresendspurt hatte
ich ein letztes Mal die Spielpläne durchforstet und war über die
Pokal-Begegnungen in der späten Adventszeit gestolpert. Zwischen
den Möglichkeiten musste ich ein wenig abwägen und entschied
mich für die Partie in Woerden, einer kleinen Stadt im Umland
von Utrecht. Hier hat der Amateurverein Sportlust ’46 seine
Heimat und kickt im Alltag sehr solide in der viertklassigen
Derde Divisie. Als Siebter in der Tabelle wird man wohl den
Sprung nach oben verpassen. Dafür gabs die Highlights im
Pokal-Wettbewerb. Nachdem man zwei Vorrunden überstanden und in
der ersten Runde den Drittligisten Barendrecht im
Elfmeterschießen eliminiert hatte, wartete mit De Treffers aus
Groesbeek der nächste Drittligist. Die Grenzstädter sind ihres
Zeichens im Liga-Betrieb ebenfalls Siebter - allerdings eine
Liga höher.
Ich kam zum Glück recht früh am Woerdener
Sportpark Cromwijck an, ergatterte einen guten Parkplatz und
konnte mich in Ruhe umsehen. Wobei, das mit der Ruhe war so eine
Sache. Bereits mit ordentlich Vorlauf stellte sich die Jugend
der Stadt ordentlich einen rein und beschallte die Anlage mit
ihrem Gegröle. Da war man froh, wenn man sich zwischendurch
versorgen konnte, ehe es sich rund um den Platz immer weiter
füllte. Kurz vor dem Anpfiff platzte der Sportpark aus allen
Nähten. Die kleine Tribüne, die Terrasse des Vereinsheims und
die Plätze hinter der Bande waren bis auf den letzten Meter
gefüllt. Auch aus Groesbeek waren die Anhänger mit mehreren
Bussen angereist. Zwischenzeitlich hatte ich vergessen, dass ein
Achtelfinal-Einzug auch für die Gäste ein riesiger Erfolg sein
würde. Für die nötige Stimmung sorgten eine Lichtshow und
kleinere Pyro-Einlagen der beiden sehr jungen Fanlager. Man
merkte die Spannung und die Aufregung bei allen Beteiligten und
so war ich froh, als es mit etwas Verzögerung endlich losging.
Bei einer ersten Betrachtung des Geschehens
auf dem Rasen, musste man sich dann etwas verwundert die Augen
reiben. Die erste halbe Stunde gehörte zweifelsohne den
klassentiefer spielenden Hausherren. De Treffers mussten sich
beim Aluminium, ihrem Schnapper und allen anderen Mächten dieser
Erde bedanken, dass man nicht bereits mit ein, zwei Treffern
hinten lag. Ganz im Gegenteil, der einzige gescheite Angriff der
Gäste bedeutete nach einer Viertelstunde sogar deren Führung.
Diese feierte der links von mir postierte Anhang aus Groesbeek
mit dem eigenen Torhüter, der wie ein Duracell-Hase vor den Fans
herumsprang. Diese Partie hatte tatsächlich für beide Teams
Endspiel-Charakter. Bei den zeitgleich stattfindenden
Begegnungen zeichnete sich indes das Ausscheiden der
verbleibenden Amateur-Teams ab. So sollte der Sieger in Woerden
das letzte verbleibende Amateurteam im Pokal stellen und den
damit verbundenen Titel der „blauen Ananas“ gewinnen. Ab der 30.
Minute war das Spiel dann ein anderes. Die Gäste übernahmen nun
die Kontrolle und die anfängliche Sturm-und-Drang-Phase von
Sportlust war nur noch eine Erinnerung aus der Vergangenheit. Da
die Führenden selbst wenig Initiative nach vorne zeigten,
entwickelte sich die Partie zu einem echten „Scheiß Spiel“, wie
es mein Nachbar aus Groesbeek treffend beschrieb. Trotzdem wird
er nach 90 Minuten glücklich nach Hause gefahren sein.
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