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Auch im neuen Jahr sollte das ungewohnt
kalte Wetter meine Planungen massiv beeinflussen. So fiel das
zweite Januar-Wochenende, das in den belgischen und
niederländischen Amateurklassen als Spieltag dienen sollte,
Schnee und Eis zum Opfer. Die Absagen Mitte Januar reichten bis
in die Bundesliga, in der stolze drei Spiele teilweise
kurzfristig ausfielen. Dieses Damoklesschwert schwebte zum Glück
nicht über dem Schalker Rückrundenauftakt in Berlin. Fast schon
traditionell sollte unser Gastspiel in der Hauptstadt bei
feinstem Winterwetter und klirrender Kälte stattfinden. Als sei
eine Partie im zugigen Olympiastadion nicht auch bei
angenehmeren Bedingungen Strafe genug. Zuerst galt es jedoch,
unsere kleine Reisegruppe am Samstagmorgen per ICE aus dem
Ruhrpott gen Osten zu verfrachten. Die Bahnfahrt gestaltete sich
auch aufgrund der anderen Schalker im Wagen 31 zu einem waren
Fest und war entsprechend kurzweilig. Die Höhepunkte setzte
unser Sitznachbar Julius, der das triste Interieur unter anderem
mit einem elektrischen Kamin aufwertete. Vielleicht sollte man
doch öfter mit der Bahn zu Auswärtsspielen reisen…
Bis zum Anpfiff um halb neun hatten wir
noch viel Zeit, sodass ich mich von der restlichen Bahnbesatzung
verabschiedete und weiter Richtung Osten zu Mariano fuhr.
Gemeinsam ging es später zurück in Richtung Olympiastadion, wo
sich unsere Gruppe wieder zusammenfand. Trotz unserer
vergleichsweisen frühen Ankunft am Stadion, war die
Einlasssituation bei der Hertha wieder eine Katastrophe. So
dauerte es eine gute Stunde, ehe man endlich die Drehkreuze
passieren konnte. Eigentlich war es nicht erst seit gestern
klar, dass der Spitzenreiter wieder über 20.000 Fans mit in die
Hauptstadt bringen würde. Da bleibt einem nur zu hoffen, dass
man demnächst ein paar Spielzeiten Pause von „Auswärts bei der
Hertha“ bekommt. Im Block angekommen, war das Gedränge vor den
Stadiontoren jedoch bereits vergessen und die Vorfreude auf den
Rückrundenauftakt übernahm. Daher würde ich jetzt gerne von
einem echten Fußballfest mit guter Stimmung und einem
bestenfalls souveränen Schalker Sieg im Spitzenspiel schreiben.
Stattdessen machte die Partie und vor allem
das Drumherum als weiteres Kapitel im ewigen Buch
„Polizeiwillkür rund um Fußballspiele“ Schlagzeilen. Weit vor
dem Anpfiff hatte die Berliner Polizei die Hertha-Fans vor der
Ostkurve schikaniert, provoziert und in der anschließenden
Konfrontation mehr als zwei Dutzend Fußballfans teilweise schwer
verletzt. Die von der Polizei Berlin dazu veröffentlichten
Stellungnahmen darf man dabei getrost als frei erfunden abtun,
da sich eben jeder Arm der Exekutive in den letzten Monaten
immer wieder gewaltsuchend, radikal und abseits jeglicher
moralischen Werte bewegte. Kai Wegners rechter Schlägertrupp
scheint sein zweifelhaftes Engagement nun also auf den
Fußballsport auszuweiten. Arme Hauptstadt. Folgerichtig blieben
die aktiven Fans der Hertha dem Spiel fern und erhielten
Unterstützung von Seiten der Schalker Szene, die ihrerseits auf
jeglichen Support verzichtete. Natürlich sorgte die Solidarität
mit den Berlinern bei einigen Schalkern für Unmut. Es ist
erschreckend wie viele Stadiongänger meinten, die Ultras seien
ihr persönliches Zirkuspferd, das unter allen Umständen für
Stimmung sorgen muss. Vielleicht bedingten sich der ausbleibende
Support und das schwache Spiel an diesem Abend. Der S04 rettete
mit Ach und Krach - und einem unüberwindbaren Karius im Tor -
das torlose Remis über die Zeit. Ein enttäuschender Auftakt ins
neue Jahr. Es kann nur besser werden.
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