| |
Vor zehn Jahren besuchte ich den VfB 03
Hilden auf der heimischen Sportanlage an der Hoffeldstraße. Ein
Pflichttermin, wie er recht häufig vorkommt. Herbst. Trostloser
Kunstrasenplatz. Anpfiff am Abend unter der Woche. Ja, hier ging
es nur ums stumpfe Abhaken eines austauschbaren
Oberliga-Grounds. Alles andere wäre das Vortäuschen falscher
Tatsachen. Wie sah es nun im Sommer 2026 aus? Damals im Herbst
2016 hätte ich mit vielem gerechnet, nicht jedoch mit dem
Regionalligisten VfB 03 Hilden. Im Schatten des Autobahnkreuzes
hatte sich der Verein ganz schön gemausert und stieß im Sommer
in die vierte Spielklasse. Der kleine Klub aus einer Stadt,
irgendwo zwischen dem Rheinland und dem Bergischen Land gelegen,
trug nicht unbedingt zur Attraktivität der einst so klangvollen
Regionalliga West bei. Wen konnte man hier noch als Zugpferd
zählen? Vorne dabei sind sicherlich Rot-Weiß Oberhausen und die
Sportfreunde Siegen, vielleicht noch Gütersloh, Bonn und der
Westfalen-Aufsteiger Wattenscheid. Letzterer, die
Sportgemeinschaft aus meinem früheren Wohnort, gastierte an
diesem Samstag beim Neuling in Hilden.
Spannend wurde es für mich, da Hilden für
die Regionalliga in die größere Bezirkssportanlage Am Bandsbusch
umgezogen war. Die neue Heimat des VfB sah auf Fotos durchaus
kindgerecht aus, sodass ich Alex und Lynn für den Besuch
einspannte. Daher stand nicht nur Fußball auf der Speisekarte.
Vor der Partie durchquerten wir, abermals mit Lynn in der Kraxe,
das Neandertal und sahen dabei Auerochsen und Tarpane, die
Vorfahren unserer heutigen Hausrinder und Pferde. Die Zeit
reichte sogar für eine kleine Erfrischung in der Düssel, ehe wir
nach Hilden aufbrachen. Mein erster Eindruck der Anlage war
positiv. Ich glaube der VfB hat hier auf eigenem Stadtgebiet ein
Stadion gefunden, das den eigenen Ansprüchen perfekt entspricht.
Hier gibt es genug Platz für die eigenen Anhänger und einen
ordentlichen Gästeblock für die größeren Szenen der Liga. Dazu
gehört eigentlich auch der Gast aus Wattenscheid. Ich war jedoch
etwas erschrocken, was für ein unmotivierter Haufen hier und
heute in Hilden aufschlug. Oft war ein kleines Mädchen die
lauteste Stimme im Singsang der sonst enttäuschend schwachen
Block der 09er.
Apropos kleines Mädchen. Lynn hatte Spaß.
Zuerst sammelte sie Blätter in meinem leeren Bierbecher, später
fegte sie mit ihrem Ball um den Sportplatz. Währenddessen
präsentierte sich die Partie des dritten Spieltags sehr munter.
Nach vier Minuten gab es eine viel umjubelte Premiere. Hildens
Maximilian Wagener erzielte nach einer Ecke aus dem Gewühl den
ersten Heim-Treffer der Hildener Regionalliga-Geschichte. Und
wer weiß, vielleicht wird diese Story größer und länger als von
vielen erwartet. Die gut in die Saison gestarteten Hausherren
blieben spielbestimmend, verpassten es jedoch hier früh den
Deckel drauf zu machen. So dauerte es gegen zahnlose
Wattenscheider bis zur 65. Minute, ehe man mit dem 2:0 die
Weichen endgültig auf Sieg stellen konnte. Vielleicht zauberte
dieser Erfolg über den ehemaligen Bundesligisten den zahlreichen
Fortuna-Fans vor Ort ein kleines Lächeln ins Gesicht. Nach der
peinlichen 0:2-Niederlage gegen Hoffenheims-Reserve zog es viele
Fortunen aus Stockum nach Hilden.
|
|