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Seitdem ich Spielberichte auf dieser
Website poste, denke ich bereits während der Spiele oder nach
Abpfiff nicht selten in Formulieren, Beschreibungen oder
schnippischen Kommentaren, mit denen ich das digitale weiße
Blatt Papier im Anschluss füllen kann. In den seltensten Fällen
gelingt es mir, die spontanen Gedanken Stunden oder Tage später
zu konservieren und schlussendlich niederzuschreiben. Nach
Partien der Schalker Knappen ist die Lücke zwischen dem
Gedachten und Geschriebenen meist besonders groß. Das ist nicht
unbedingt schlecht, da ein bisschen Abstand vor allem nach
Niederlagen ein paar fehlgeleitete Emotionen aus den Zeilen
nimmt. Nun gibt es aber „solche“ und „solche“ Niederlagen.
Schießt uns ein Gegner an einem schlechten Tag mit vier, fünf
Toren aus der Arena, kann ich das vergleichsweise gut
verarbeiten. Ich sitze dann beim Abpfiff meist schon im Auto und
freue mich auf daheim. Schwerer fällt das Ganze bereits bei
einer der zahlreichen Niederlagen in der Fremde. Am meisten
nagen jedoch die absolut überflüssigen Niederlagen und
fahrlässig hergeschenkten Punkte an mir.
Wohin die Reise für den S04 an diesem
Freitagabend gehen sollte, war mal wieder ungewiss. Zum ersten
Mal seit knapp drei Jahrzehnten hatten die Knappen es
tatsächlich vollbracht, zwei Siege am Stück zu feiern. Wie man
diese errang, ist dabei aber durchaus von Bedeutung. Sowohl
gegen Münster als auch in Berlin hat man sich vor Glück
beschissen. Vor allem was die Hertha vor dem Schalker Tor
veranstaltete, grenzte an Wahnwitz. Das auch ein drittes Spiel
in Folge ähnlich verlaufen wird, ist denkbar unwahrscheinlich.
Doch genau diese Serie schien Schalke im Bunde mit der
Glücksgöttin Fortuna auch im Heimspiel gegen Hannover fortsetzen
zu wollen. In der natürlich ausverkauften Arena entwickelte sich
ein sehr behäbiges und von Fehlpässen durchzogenes Spiel.
Blendete man die 62.000 Zuschauer und das imposante Bauwerk aus,
hätte man die Leistungen beider Teams durchaus auf einen mit
Maulwurfshügeln übersäten Sportplatz in die westfälische Provinz
verorten können. Selbst in der Kreisklasse begegnen einem -
anders als heute auf dem Berger Feld - Passtaffeten, die mehr
als zwei Stationen überstehen. Trotz des wenig ansehnlichen
Spiels und der merkwürdigen Stimmung in der Arena, blieben
flächendeckende Beschwerden aus. Irgendwie gelang dem S04
nämlich dank einer Abfolge von günstigen Zufällen in der 27.
Minute ein Treffer. Antwi-Adjej brachte den Ball bei seinem
Premierentreffer schlussendlich mit dem Knie im gegnerischen Tor
unter.
Gegen eine schwache Hannoveraner Truppe
hätte man jedoch ruhig mit zwei Toren Vorsprung in die Pause
gehen können. So blieb 96 natürlich im Spiel, ohne dabei ähnlich
zwingend zu werden wie die Hertha am vergangenen Samstag. Die
Hausherren kamen nämlich weiterhin regelmäßig vors Tor der
Gegner und ließen neben der vorauszusetzenden Unfähigkeit auch
leicht arrogante Tendenzen erkennen. Statt den Abschluss zu
suchen, gab es den bekannten Haken zu viel. Ja, Schalke macht
eben Schalke-Sachen. Dass man diese bekloppte Partie am Ende
nicht siegreich über die Ziellinie bekommt, ist jedoch völlig
unverständlich. Dass man sich in der 87. und 88. Minute gleich
zwei Treffer gegen eine niedersächsische Rumpeltruppe par
excellence einfängt und am Ende mit leeren Händen dasteht, ist
einfach nur bodenlos. Dass man mir die letzte vage Hoffnung auf
ein Mitmischen im Aufstiegsrennen nimmt, nehme ich persönlich.
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