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Während des Schuljahres besteht mein Job
aus zahlreichen eintägigen Dienstreisen innerhalb der
nordrhein-westfälischen Landesgrenzen. Nur selten sind dabei
Übernachtungen nötig und noch seltener kann man die Termine mit
dem Besuch eines Fußballspiels verbinden. Im Vorfeld einer
Tagung im Rhein-Main-Gebiet reisten Alex, Lynn und ich Mitte
Februar bereits am Sonntag in Richtung Frankfurt, wo wir einige
Anlaufpunkte zum Besuchen und Übernachten haben. Um die
Fahrtzeit zu splitten und mir einen Spielbesuch zu ermöglichen,
führte unsere Route mit einem kleinen Umweg über die Kleinstadt
Haiger an der A45. Hier tritt der etablierte Regionalligist TSV
Steinbach seit dieser Spielzeit mit einer Reserve-Mannschaft in
der fünftklassigen Hessenliga an. Dass die Zweitvertretung nur
eine Liga unter der ersten Mannschaft kickt ist ziemlich selten
und im Falle des TSV wohl auch nicht von Dauer. Bereits jetzt
steht der direkte Abstieg der Steinbacher Reserve nämlich so gut
wie fest. Unter der Woche verkündete der Club daher, dass man
sich im Sommer vom Übungsleiter der Zwoten trennen werde.
Ausgerechnet in dieser aussichtslosen und
wenig erfreulichen Zeit, gastierte mit Rot-Weiss Walldorf ein
Spitzenteam der Hessenliga im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Im engen Rennen um die Pole-Position mischen die Kicker aus der
Flughafen-Gemeinde Mörfelden-Walldorf kräftig mit und gingen an
diesem kalten, aber sonnigen Sonntagnachmittag als haushoher
Favorit ins Rennen. Die Anreise mit dem Mannschaftsbus des
Drittligisten Wehen Wiesbaden schien die eigenen Ansprüche zu
untermauern. Das mächtige Gefährt thronte unübersehbar über
einer Ecke des Spielfeldes. Der Steinbacher Sportplatz liegt in
einer hügeligen bis bergigen Gegend, die der Jahreszeit
entsprechend, jedoch noch recht karg aussah. Die nur knapp 100
Zuschauer versammelten sich außerhalb des tiefergelegenen
Kunstrasenplatzes auf Höhe des Vereinsheimes und eines kleinen
überdachten Bereichs im Stile einer Carport-Konstruktion. Der
Ground lebte eindeutig vom Panorama und nicht von seiner
Ausstattung und Infrastruktur. Positiv zu erwähnen sind der
lockere Einlass, der den Eintrittspreis hemdsärmelig abrundete
und das spartanische, aber leckere Catering, bei dem vor allem
die krossen Pommes überzeugen konnten.
Wir zogen die Bremsen vom Kinderwagen fest
an und postierten uns auf einer der Sitzbänke entlang der
Geraden. Die Sonne im Nacken entschädigte hier für die durch die
Beleuchtungsanlage beeinträchtigte Sicht auf eines der Tore.
Ausgerechnet vor diesem Kasten spielte ein Großteil der Musik.
Standesgemäß gelangen den Gästen im ersten Durchgang immerhin
zwei Treffer. Trotzdem haderte Coach Artur Lemm mit seiner
Truppe, die sich unerwartet schwertat und defensiv alles andere
als sicher agierte. So kam der TSV zu einigen Chancen, die man
gut und gerne auch hätte verwerten können. Alex und Lynn nutzten
den zweiten Durchgang für einen ausgiebigen Spaziergang, während
ich miterleben durfte, wie die Walldorfer die Partie unnötig
spannend gestalteten. Der dritte Treffer der Rot-Weißen in der
63. Minute brachte nämlich noch nicht die Entscheidung.
Steinbachs Reserve verkürzte erst (77.) und erzielte in der
langen Nachspielzeit sogar noch den Ausgleich. Hinten nun recht
offen, fing sich die Heimelf in der 94. Minute jedoch noch das
2:4. Ohne wirklich zu überzeugen, sprang Walldorf dank eines
Patzers der Konkurrenz aus Fernwald mit dem Sieg in Haiger
vorübergehend an die Spitze der Hessenliga.
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