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Auch wenn Lynns auferlegter Herzensverein
ihr ihren Mitgliedsausweis noch immer nicht zugestellt hat, ist
meine Tochter selbstredend seit dem Tag ihrer Geburt Mitglied
auf Schalke. Noch im Krankenhaus, gerade erst zwei Tage auf der
Welt, kam sie dank DSF-Live-Übertragung in den Genuss des
„Schalker Wegs“. Mit einem überzeugenden 3:1-Sieg gegen den
Glubb im Rücken, gingen die Knappen wenige Kilometer vom
Krankenhaus entfernt in der eigenen Arena gegen Magdeburg baden.
Damals und heute kann sie zum Glück noch nicht erahnen, was es
mit sich bringt, Schalkerin zu sein. Trotzdem wurde es nun, mit
genau zwei Monaten auf dem Tacho, Zeit für ihre erste
Stippvisite auf dem Berger Feld. Während wir mit den Spielen der
Profis noch etwas warten, bietet sich ein entspannter Besuch bei
der U23 an. Zum Glück spielte auch das Wetter für den
Familienausflug mit, sodass wir bei Sonnenschein und milden
Temperaturen den Hügel zwischen dem Parkplatz und dem Eingang
des Parkstadions erklommen. Da man beim Bau des Einlassbereichs
tatsächlich eine Rampe einsparte und wir nicht den Seiteneingang
ansteuern wollten, gabs die erste Hürde für die eigentlich
rollende Lynn und den nun den Kinderwagen tragenden Papa. Man
achtet auf andere Dinge als früher.
Immerhin wurde uns umgehend ein
zusätzliches Tor geöffnet und ein Raum zum Wickeln und Stillen
angeboten. Geht doch. Trotz des freundlichen Angebots führte uns
unser erster Weg natürlich zum Imbiss und zur wohl besten
Stadion-Manta Deutschlands. Schon deswegen bleibt zu hoffen,
dass das altehrwürdige Parkstadion auch in der kommenden
Spielzeit Regionalliga-Fußball sieht. Trotz des Rückzugs von
Türkspor und der anstehenden Insolvenz in Düren, bewirbt sich
die Schalker Reserve derzeit intensiv um die wenigen
verbleibenden Abstiegsplätze. So recht kann ich mir den
sportlichen Abstieg der königsblauen Zweitvertretung nicht
erklären. Die vom geschätzten Coach Fimpel trainierte Truppe
wird regelmäßig von Spielern aus dem Profikader verstärkt und
kann eigentlich Fußball spielen. Gegen den ambitionierten
Aufsteiger aus Lotte waren die Hausherren trotz Unterstützung
der Jung-Profis Remmert, Becker und Zalazar trotzdem nur
Außenseiter.
Immerhin kam die Schalker Reserve gut ins
Spiel. In der gegnerischen Hälfte vertraute man dabei vor allem
einem Modus Operandi, bei dem man einen Angreifer halbrechts
regelmäßig freispielte und mit viel Raum in den Strafraum
schickte. Mir fallen solche Muster selten auf, sodass die Lücke
in der Lotter Defensive wirklich eklatant war. Trotzdem gelang
es Schalkes Zalazar den dritten Versuch dieser Art nach zwölf
Minuten erfolgreich durch die Beine des Gäste-Keepers
abzuschließen. Wir waren überrascht, wie gut und mutig der S04
nach vorne spielte. Leider verpasste man es, der eigenen
Überlegenheit ein zweites Tor abzuringen. Stattdessen wurde
meine gegenüber Alex geäußerte Befürchtung wahr und Schalke fing
sich noch vor der Pause das 1:1 durch einen direkten Freistoß
(38.). Im zweiten Durchgang wurde es dann kurios. Nachdem die
Gäste mit Schalker Hilfe in Führung gegangen waren (54.),
dezimierten sie sich innerhalb von 3 Minuten merklich und waren
nun nur noch zu neunt auf dem Feld. In den folgenden gut 35
Minuten durfte man einem Schalker-Team zusehen, das es in
doppelter Überzahl nicht vollbrachte, die Partie zu drehen.
Hätte man nicht nachzählen können, wäre einem der Umstand durch
die wenig motivierten und teils behäbigen Vorstöße mit zwei
Spielern mehr vielleicht sogar verborgen geblieben.
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